TENS bei Ischiasschmerzen: Kann die Elektrotherapie helfen?

TENS bei Ischiasschmerzen: Kann die Elektrotherapie helfen?

TENS kann bei Ischiasschmerzen unter Umständen kurzfristig dabei helfen, die Schmerzempfindung zu reduzieren. Die elektrische Nervenstimulation behandelt allerdings nicht die Ursache der Beschwerden. Über Elektroden auf der Haut werden elektrische Impulse abgegeben, die auf die Verarbeitung von Schmerzsignalen einwirken können. Bei Ischiasbeschwerden ist deshalb vor allem entscheidend, herauszufinden, wodurch die Nervenreizung ausgelöst wird. Für Kreuzschmerzen – unabhängig davon, ob zusätzlich Ischiasbeschwerden bestehen – wird TENS von aktuellen NICE-Leitlinien nicht als Standardtherapie empfohlen.

Eine fehlende Empfehlung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass TENS für jeden Menschen ohne Nutzen ist. Wer die Methode ergänzend ausprobieren möchte, sollte sich bewusst sein, dass die Wirkung individuell unterschiedlich ausfallen kann. Treten zusätzlich neurologische Beschwerden auf, sollte zunächst eine medizinische Abklärung erfolgen, anstatt ausschließlich auf TENS zu setzen.

Auf einen Blick: TENS kann bei Ischiasschmerzen möglicherweise eine zeitlich begrenzte Schmerzlinderung bewirken. Die wissenschaftliche Datenlage speziell für Ischias ist allerdings eingeschränkt. Ein TENS-Gerät kann weder einen Bandscheibenvorfall beseitigen noch eine eingeklemmte oder gereizte Nervenwurzel entlasten. Bei Taubheitsgefühlen, neu auftretender oder zunehmender Muskelschwäche sowie Problemen mit Blase oder Darm ist eine ärztliche Untersuchung besonders wichtig.

Ischiasschmerzen – was steckt dahinter?

Als Ischiasschmerzen werden Beschwerden bezeichnet, die vom unteren Rücken oder Gesäß in ein Bein ausstrahlen. Je nach Ursache können die Schmerzen über die Rückseite oder Außenseite des Oberschenkels verlaufen und sich bis in den Unterschenkel oder sogar bis zum Fuß ausbreiten.

In der Medizin finden sich dafür unter anderem die Begriffe Ischias, Ischialgie oder lumbosakrale Radikulopathie. Gemeint sind meist Schmerzen, die mit einer Reizung oder Beeinträchtigung einer Nervenwurzel im unteren Rücken zusammenhängen. Der Begriff „Ischias“ wird im Alltag allerdings sehr unterschiedlich verwendet. Deshalb ist es sinnvoll, die genaue Ursache der ausstrahlenden Beschwerden ärztlich einordnen zu lassen.

Eine mögliche Ursache ist ein Bandscheibenvorfall. Dabei kann Bandscheibengewebe eine Nervenwurzel reizen oder Druck auf sie ausüben. Auch andere Veränderungen an der Wirbelsäule, beispielsweise eine Verengung des Wirbelkanals, können Beschwerden verursachen.

Bei einem klassischen Ischiasbild stehen die Schmerzen im Bein häufig stärker im Vordergrund als die Beschwerden im unteren Rücken. Zusätzlich können Kribbeln, ein taubes Gefühl oder bei stärkerer Beteiligung des Nervs auch eine Schwäche einzelner Muskeln auftreten.

Was genau ist TENS?

TENS ist die Abkürzung für „Transkutane Elektrische Nervenstimulation“. Dabei handelt es sich um eine nicht-medikamentöse Methode zur Schmerzbeeinflussung. Ein TENS-Gerät erzeugt elektrische Impulse, die über auf der Haut befestigte Elektroden an den Körper weitergegeben werden.

Während der Behandlung nehmen Anwender typischerweise ein Kribbeln, Pulsieren oder eine andere elektrische Stimulation wahr. Die Stärke lässt sich bei den meisten Geräten individuell regulieren. Grundsätzlich sollte die Intensität deutlich spürbar sein, ohne dabei unangenehm oder schmerzhaft zu werden.

Das Ziel einer TENS-Anwendung besteht hauptsächlich darin, die Wahrnehmung beziehungsweise Verarbeitung von Schmerzen zu beeinflussen. Eine strukturelle Ursache – beispielsweise einen Bandscheibenvorfall – kann TENS dagegen nicht beseitigen.

Wie könnte TENS bei Ischiasschmerzen wirken?

Die Wirkweise von TENS ist noch nicht vollständig geklärt. Eine häufig herangezogene Erklärung ist die sogenannte Gate-Control-Theorie. Vereinfacht ausgedrückt können bestimmte nicht schmerzhafte elektrische Reize die Verarbeitung und Weiterleitung von Schmerzsignalen im Nervensystem beeinflussen.

Abhängig von der gewählten Frequenz und Intensität können möglicherweise zusätzlich körpereigene Mechanismen aktiviert werden, die an der Schmerzhemmung beteiligt sind. TENS funktioniert damit grundsätzlich anders als ein klassisches Schmerzmittel, das über den Blutkreislauf im gesamten Körper wirkt.

Wichtig bleibt jedoch: TENS beseitigt nicht die Ursache einer Ischialgie. Liegt beispielsweise ein Bandscheibenvorfall mit Reizung einer Nervenwurzel vor, kann die Stimulation möglicherweise die empfundene Schmerzintensität verändern. Die mechanische Ursache der Nervenreizung wird dadurch jedoch nicht entfernt.

Das kann TENS beeinflussen

Vor allem die Verarbeitung und subjektive Wahrnehmung von Schmerzreizen.

Das kann TENS nicht beseitigen

Eine Nervenkompression, einen Bandscheibenvorfall oder eine andere strukturelle Ursache des Ischias.

Der mögliche Vorteil

Eine vorübergehende Verringerung der Schmerzen kann bei manchen Menschen die Bewältigung des Alltags erleichtern.

Wie wirksam ist TENS bei Ischias tatsächlich?

Bei dieser Frage lohnt sich ein genauer Blick auf die wissenschaftliche Datenlage. Untersuchungen zu TENS bei Ischias und radikulären Schmerzen sind deutlich weniger umfangreich als Studien zu allgemeinen Kreuzschmerzen.

Bei chronischen primären Rückenschmerzen zeigte eine systematische Übersichtsarbeit, die in die Entwicklung einer WHO-Leitlinie einbezogen wurde, gegenüber einer Scheinbehandlung lediglich einen kleinen kurzfristigen Vorteil von TENS. Gleichzeitig wurde die Qualität beziehungsweise Sicherheit der Evidenz als sehr niedrig eingestuft. Diese Ergebnisse können nicht unmittelbar auf Ischias übertragen werden, verdeutlichen aber, dass TENS insgesamt nicht als zuverlässig stark wirksame Behandlung von Rückenschmerzen gilt.

Auch die Empfehlungen medizinischer Leitlinien fallen entsprechend zurückhaltend aus. Die NICE-Leitlinie zu Kreuzschmerzen und Ischias rät davon ab, TENS bei Rückenschmerzen mit oder ohne Ischias einzusetzen. Stattdessen werden unter anderem Selbstmanagement, das Beibehalten normaler Aktivitäten und geeignete Bewegungsangebote hervorgehoben.

Für die Praxis bedeutet das: TENS sollte bei Ischiasschmerzen eher als ergänzende Möglichkeit zur Schmerzbewältigung betrachtet werden und nicht als etablierte Standardtherapie.

In welchen Situationen könnte TENS hilfreich sein?

Ob TENS bei einer bestimmten Person tatsächlich eine spürbare Verbesserung bringt, lässt sich im Vorfeld kaum sicher sagen. Einige Menschen empfinden die elektrische Stimulation als angenehm und nehmen während oder nach der Anwendung weniger Schmerzen wahr. Bei anderen bleibt ein nennenswerter Effekt aus.

Ein möglicher praktischer Nutzen kann darin liegen, dass eine vorübergehende Schmerzreduktion bestimmte Aktivitäten erleichtert. Wenn beispielsweise ein Spaziergang, eine Übung aus der Physiotherapie oder eine alltägliche Tätigkeit dadurch besser möglich wird, kann TENS subjektiv einen Mehrwert bieten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die zugrunde liegende Nervenreizung behandelt wurde. Bei Ischias sollte daher immer berücksichtigt werden, wodurch die Beschwerden entstanden sind und ob Anzeichen für eine stärkere neurologische Beteiligung bestehen.

Wann reicht TENS bei Ischiasschmerzen nicht aus?

TENS ist keine ausreichende Maßnahme, wenn eine behandlungsbedürftige Ursache hinter den Beschwerden steckt oder zusätzlich neurologische Ausfälle auftreten.

Eine zunehmende Muskelschwäche, ausgeprägte Taubheitsgefühle oder Schwierigkeiten beim Gehen sollten medizinisch beurteilt werden. Bei unkomplizierten und stabilen Beschwerden kann häufig zunächst eine konservative Behandlung infrage kommen. Verschlechtern sich neurologische Symptome jedoch oder beeinträchtigen sie den Alltag deutlich, ist eine weitergehende Untersuchung wichtig.

Auch bei plötzlich auftretenden, sehr starken Ischiasschmerzen sollte ein TENS-Gerät nicht dazu dienen, eine notwendige ärztliche Untersuchung aufzuschieben.

Für wen kann ein TENS-Gerät bei Ischias interessant sein?

Für Menschen, die nach einer zusätzlichen, nicht-medikamentösen Möglichkeit zur Schmerzbewältigung suchen, kann TENS grundsätzlich interessant sein – vorausgesetzt, es bestehen keine Warnzeichen und die Anwendung erfolgt entsprechend der Geräteanleitung.

Ob die Anschaffung eines eigenen Geräts sinnvoll ist, hängt vor allem von der persönlichen Reaktion auf die Behandlung ab. Da TENS bei Ischiasschmerzen nicht als Standardtherapie empfohlen wird, sollte ein Gerät nicht mit der Erwartung gekauft werden, damit einen Bandscheibenvorfall oder eine Nervenkompression behandeln zu können.

Kann eine Option sein

Wenn zusätzlich zu anderen Maßnahmen eine Möglichkeit zur zeitweisen Beeinflussung der Schmerzen gesucht wird.

Realistische Erwartungen

Die Anwendung sollte nicht mit der Vorstellung verbunden sein, dass TENS die Ursache des Ischias beseitigt.

Als Ergänzung

Wenn die mögliche Schmerzreduktion dabei hilft, Bewegung, Übungen oder alltägliche Aktivitäten besser durchzuführen.

Kein Ersatz

Bei neurologischen Beschwerden oder starken beziehungsweise zunehmenden Symptomen ersetzt TENS keine medizinische Untersuchung.

TENS bei Ischias richtig anwenden

Wer TENS testen möchte, sollte sich zunächst an die Angaben des jeweiligen Herstellers halten. Die Elektroden werden grundsätzlich nur auf gesunder, intakter Haut angebracht. Welche Position und welches Programm geeignet sind, hängt unter anderem vom verwendeten Gerät und der individuellen Schmerzregion ab.

Gerade bei Ischiasschmerzen sollte nicht einfach davon ausgegangen werden, dass Elektroden entlang des gesamten Schmerzverlaufs angebracht werden müssen. Eine geeignete Platzierung kann sich nach den Herstellerangaben richten. Bei komplizierteren Beschwerden kann außerdem eine individuelle Empfehlung durch medizinisches Fachpersonal sinnvoll sein.

Die Intensität sollte gut wahrnehmbar, aber gleichzeitig angenehm sein. Mehr Stromstärke bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirkung. Treten Schmerzen, Hautreizungen oder andere ungewöhnliche Beschwerden auf, sollte die Anwendung beendet werden.

Wo werden TENS-Elektroden bei Ischias angebracht?

Je nach Gerät und individuellem Beschwerdebild können die Elektroden im Bereich der schmerzenden Körperregion positioniert werden. Eine einzige Elektrodenanordnung, die für alle Menschen mit Ischiasschmerzen gleichermaßen geeignet ist, gibt es jedoch nicht.

Das liegt auch daran, dass „Ischias“ kein einheitliches Krankheitsbild bezeichnet. Unterschiedliche Nervenwurzeln und verschiedene Ursachen können zu ähnlichen Beschwerden führen. Deshalb sollte die Positionierung nicht unabhängig von der Gebrauchsanweisung oder einer individuellen fachlichen Empfehlung erfolgen.

Zu beachten: Elektroden dürfen nicht auf offene, gereizte oder entzündete Haut geklebt werden. Bei unklaren neurologischen Beschwerden sollte außerdem zunächst die Ursache der Symptome medizinisch abgeklärt werden.

TENS oder Physiotherapie – was eignet sich bei Ischias besser?

TENS und Physiotherapie setzen an unterschiedlichen Punkten an und lassen sich daher nur bedingt direkt miteinander vergleichen. TENS zielt in erster Linie auf die Beeinflussung der Schmerzempfindung ab. Physiotherapeutische Maßnahmen können dagegen unter anderem Beweglichkeit, Belastbarkeit, körperliche Funktion und den Umgang mit den Beschwerden unterstützen.

Bei Kreuzschmerzen mit oder ohne Ischias legt NICE den Schwerpunkt unter anderem auf Selbstmanagement, normale Alltagsaktivitäten und geeignete Bewegungsprogramme. TENS wird von der Leitlinie hingegen nicht als Behandlung empfohlen.

Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt dennoch von der Ursache, dem Verlauf der Beschwerden und der individuellen körperlichen Situation ab. Nicht jeder Mensch mit Ischias benötigt zwangsläufig dieselbe Form der Physiotherapie.

Häufige Irrtümer rund um TENS bei Ischias

„TENS macht einen eingeklemmten Ischiasnerv wieder frei.“

Nein. Die elektrische Stimulation kann möglicherweise die Verarbeitung von Schmerzsignalen beeinflussen. Eine mechanische Einengung des Nervs wird dadurch jedoch nicht beseitigt. Bei einem Bandscheibenvorfall kann TENS beispielsweise nicht dafür sorgen, dass vorgefallenes Bandscheibengewebe zurückgeschoben wird.

„Wenn ich das Kribbeln spüre, funktioniert TENS automatisch.“

Nicht unbedingt. Das Wahrnehmen der elektrischen Impulse zeigt lediglich, dass die Stimulation spürbar ist. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass sich die Schmerzen klinisch relevant verbessern. Entscheidend ist vielmehr, ob sich die Beschwerden tatsächlich verändern.

„Eine möglichst hohe Intensität wirkt am besten.“

Nein. Ziel ist keine schmerzhafte Stimulation. Die Stärke sollte entsprechend der Anleitung des Geräts eingestellt werden und für die jeweilige Person gut verträglich sein.

„Wenn mein Bein schwächer wird, kann ich trotzdem erst einmal weiter TENS anwenden.“

Das sollte man nicht tun. Eine zunehmende Muskelschwäche oder andere neurologische Veränderungen können auf eine relevante Beeinträchtigung des Nervs hinweisen. In diesem Fall ist eine medizinische Beurteilung wichtiger als der Versuch, die Beschwerden ausschließlich mit TENS zu kontrollieren.

Was kann bei Ischiasschmerzen im Alltag helfen?

Sofern keine Warnzeichen bestehen, bedeutet eine Ischialgie nicht automatisch, dass möglichst viel Ruhe notwendig ist. Bei Rückenschmerzen mit oder ohne Ischias empfehlen aktuelle Leitlinien unter anderem, normale Aktivitäten soweit möglich beizubehalten und auf Selbstmanagement sowie geeignete Bewegung zu setzen.

Welche Bewegungsform im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden und der körperlichen Situation ab. Bei stärkeren, wiederkehrenden oder länger bestehenden Schmerzen kann eine ärztliche oder physiotherapeutische Einschätzung dabei helfen, passende Übungen und Belastungen auszuwählen.

Wer TENS verwendet, sollte außerdem nicht nur darauf achten, wie sich die Behandlung unmittelbar während der Anwendung anfühlt. Aussagekräftiger kann sein, ob sich dadurch der Alltag verbessert: Fällt das Gehen leichter? Kann man besser sitzen, schlafen oder bestimmte Übungen durchführen?

  • Halte dich bei der Anwendung an die Anleitung des jeweiligen TENS-Geräts.
  • Bringe die Elektroden ausschließlich auf gesunder und unverletzter Haut an.
  • Stelle die Intensität so ein, dass die Stimulation klar spürbar, aber angenehm bleibt.
  • Beobachte nicht nur das Kribbeln, sondern auch die tatsächliche Entwicklung von Schmerzen und Beweglichkeit.
  • Nutze TENS höchstens als ergänzende Maßnahme und nicht als Ersatz für eine Ursachenklärung.
  • Bei neurologischen Warnzeichen sollte nicht auf eine mögliche Wirkung des Geräts gewartet werden.

Wann ist bei Ischiasschmerzen ein Arztbesuch notwendig?

Viele unkomplizierte Ischiasbeschwerden können sich mit der Zeit wieder bessern. Trotzdem gibt es bestimmte Symptome, bei denen eine schnelle medizinische Einschätzung erforderlich ist.

Besonders ernst zu nehmen sind neu auftretende Probleme bei der Kontrolle von Blase oder Darm sowie Taubheitsgefühle im Bereich von Gesäß oder Genitalien. Treten solche Beschwerden gemeinsam mit starken Rückenschmerzen auf, kann dies auf ein Cauda-equina-Syndrom hindeuten. Dabei handelt es sich um einen medizinischen Notfall.

Auch eine deutlich zunehmende Muskelschwäche, ausgeprägte Schwierigkeiten beim Gehen oder andere fortschreitende neurologische Veränderungen sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Wichtig: Treten starke Rückenschmerzen zusammen mit neuen Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, einem Taubheitsgefühl im Bereich von Genitalien oder Gesäß oder einer deutlichen neuen Muskelschwäche auf, sollte nicht versucht werden, die Beschwerden allein mit TENS zu behandeln. Solche Symptome können auf eine ernsthafte Nervenkompression hinweisen und müssen schnell medizinisch beurteilt werden.

TENS bei Ischias: Vorteile und Grenzen im Überblick

Mögliche Vorteile
  • nicht-medikamentöser Ansatz
  • kann zu Hause eingesetzt werden
  • Stimulation wird von manchen Anwendern als angenehm empfunden
  • möglicherweise kurzfristige Verringerung der Schmerzen
  • kann ergänzend zu anderen Maßnahmen ausprobiert werden
Wichtige Einschränkungen
  • nur begrenzte wissenschaftliche Daten speziell zu Ischias
  • behandelt nicht die eigentliche Ursache
  • wird nicht als Standardtherapie empfohlen
  • die Wirkung kann von Person zu Person unterschiedlich sein
  • ersetzt bei Warnzeichen keine ärztliche Untersuchung

Fazit: Ist TENS bei Ischiasschmerzen sinnvoll?

TENS kann bei manchen Menschen mit Ischiasschmerzen möglicherweise für eine begrenzte Zeit zur Schmerzlinderung beitragen. Die wissenschaftliche Evidenz speziell für Ischias ist jedoch nicht ausreichend, um die Methode als etablierte Standardbehandlung anzusehen. Die aktuellen NICE-Leitlinien empfehlen TENS bei Kreuzschmerzen mit oder ohne Ischias nicht. Stattdessen spielen unter anderem Selbstmanagement, möglichst normale Aktivität und geeignete Bewegungsprogramme eine wichtige Rolle.

Wer ein TENS-Gerät ausprobieren möchte, sollte deshalb keine ursächliche Behandlung erwarten. Ein Gerät kann allenfalls eine zusätzliche Möglichkeit sein, die individuelle Schmerzempfindung zu beeinflussen.

Besonders wichtig ist, zwischen unkomplizierten Ischiasschmerzen und Beschwerden mit neurologischen Ausfällen zu unterscheiden. Bei zunehmender Muskelschwäche, Problemen mit der Blasen- oder Darmkontrolle oder Taubheitsgefühlen im Bereich von Gesäß und Genitalien ist eine schnelle medizinische Abklärung erforderlich.

Kurz zusammengefasst: TENS kann bei einzelnen Personen möglicherweise kurzfristig die Beschwerden bei Ischias lindern. Die Methode beseitigt jedoch weder einen Bandscheibenvorfall noch eine andere Ursache der Nervenreizung und wird von aktuellen Leitlinien nicht als Standardbehandlung empfohlen. Eine genaue Ursachenabklärung, ausreichende Bewegung und ein individuell passendes Behandlungskonzept sind bei Ischiasschmerzen wichtiger als die alleinige Anwendung eines TENS-Geräts.

Häufige Fragen zu TENS bei Ischiasschmerzen

Kann TENS bei Ischiasschmerzen tatsächlich helfen?

Bei manchen Menschen kann TENS möglicherweise eine kurzfristige Linderung der Ischiasschmerzen bewirken. Die Studienlage speziell zu Ischias ist allerdings begrenzt. Deshalb sollte TENS eher als ergänzende Möglichkeit zur Schmerzbewältigung gesehen werden und nicht als Therapie der zugrunde liegenden Ursache. NICE empfiehlt TENS bei Rückenschmerzen mit oder ohne Ischias nicht.

Wo sollten die TENS-Elektroden bei Ischias platziert werden?

Die geeignete Position hängt vom verwendeten Gerät und dem individuellen Beschwerdebild ab. Eine feste Elektrodenposition, die bei jedem Ischiasschmerz funktioniert, gibt es nicht. Die Herstellerangaben sollten berücksichtigt werden. Bei neurologischen Begleitsymptomen sollte zunächst eine medizinische Abklärung erfolgen.

Kann TENS einen gereizten oder eingeklemmten Ischiasnerv wieder lösen?

Nein. TENS kann unter Umständen die Wahrnehmung von Schmerzen beeinflussen, beseitigt aber keine mechanische Nervenkompression. Ein Bandscheibenvorfall oder eine andere strukturelle Ursache wird durch die elektrische Stimulation nicht behoben.

Ist Bewegung bei Ischias sinnvoller als TENS?

Bewegung und ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept haben bei Ischias einen wichtigeren Stellenwert als TENS. Bei Rückenschmerzen mit oder ohne Ischias empfehlen Leitlinien unter anderem, normale Aktivitäten möglichst fortzuführen und geeignete Bewegungsprogramme einzusetzen. TENS wird von NICE hingegen nicht empfohlen.

Kann TENS bei einem Bandscheibenvorfall mit Ischiasschmerzen eingesetzt werden?

TENS kann möglicherweise Einfluss auf die Schmerzempfindung nehmen, behandelt den Bandscheibenvorfall selbst jedoch nicht. Wenn vorgefallenes Bandscheibengewebe eine Nervenwurzel reizt, liegt eine mechanische Ursache vor, die durch TENS nicht beseitigt werden kann. Bei neurologischen Ausfällen sollte die Situation ärztlich beurteilt werden.

Wie häufig kann man TENS bei Ischiasschmerzen verwenden?

Wie oft und wie lange TENS angewendet werden sollte, richtet sich nach dem jeweiligen Gerät und den Herstellerangaben. Eine allgemein gültige optimale Anwendungshäufigkeit für alle Menschen mit Ischias gibt es nicht. Eine häufigere oder längere Anwendung führt außerdem nicht automatisch zu einer stärkeren Wirkung.

Wann sollte man Ischiasschmerzen nicht mehr selbst mit TENS behandeln?

Bei zunehmender Muskelschwäche, ausgeprägten neurologischen Beschwerden oder neuen Problemen mit Blase und Darm sollte TENS nicht als alleinige Maßnahme eingesetzt werden. Besonders die Kombination aus starken Rückenschmerzen, Problemen bei der Blasen- oder Darmkontrolle und Taubheitsgefühlen im Bereich von Gesäß oder Genitalien kann auf ein Cauda-equina-Syndrom hinweisen. In diesem Fall ist eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich.

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